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Bild- und Videogeneratoren mit KI

Diese Seite erklärt, wie KI-gestützte Bild- und Videogeneratoren funktionieren – von den Grundbegriffen über die technischen Hintergründe bis zu gesellschaftlichen Risiken.

Auf einen Blick: Bild- und Videogeneratoren sind KI-Programme, die aus einer Texteingabe neue Bilder oder Videos erzeugen. Das bekannteste Verfahren dahinter heisst Diffusionsmodell.

Normale KI-Programme erkennen Dinge wie zum Beispiel, ob auf einem Foto eine Katze zu sehen ist. Generative KI macht etwas anders. Sie erzeugt neue Inhalte, wie beispielsweise ein Bild, das es vorher noch nicht gab. Das Programm lernt dazu aus sehr vielen Beispielen. Welche Bilder, Texte oder Videos „typisch“ aussehen und kann dann selbst neue erzeugen, die ähnlich wirken.1)

Bild- und Videogeneratoren sind eine Art generative KI. Man gibt ihnen eine Textbeschreibung (den Prompt) und sie erzeugen daraus ein passendes Bild oder Video.2)

Begriff Erklärung
Prompt Die Texteingabe, mit der man beschreibt, was man sehen möchte
Seed Eine Zahl, die den Zufallsstart festlegt. Mit demselben Seed und Prompt bekommt man immer dasselbe Bild
Latenter Raum Eine stark vereinfachte, interne Darstellung des Bildes, mit der das Modell rechnet
Training Das Lernen des Modells aus sehr vielen Beispielbildern. Das passiert einmal, bevor man das Tool nutzt
Inference Die eigentliche Nutzung. Man gibt einen Prompt ein und das fertig trainierte Modell erzeugt das Bild

Ein guter Prompt beschreibt möglichst genau:

  • Was im Bild zu sehen sein soll (Objekte, Personen, Ort)
  • Wie es aussehen soll (Stil, Licht, Stimmung, Kameraeinstellung)
  • Bei Videos: wie sich Dinge bewegen und wie die Kamera sich verhält

Schwacher Prompt: Ein Hund

Besserer Prompt: Ein Golden Retriever sitzt auf einer sonnigen Wiese, warmes Nachmittagslicht, fotorealistisch, geringe Schärfentiefe

Damit ein Bildgenerator lernen kann, braucht er sehr viele Beispiele. Beim Training sieht das Modell Millionen von Bildern zusammen mit Textbeschreibungen dazu. Das Modell lernt so, was Wörter wie „Hund„ oder „Sonnenuntergang“ visuell bedeuten.3)

Dieser Abschnitt erklärt, was im Hintergrund passiert. Man muss kein Mathematik-Experte sein. Es reicht das Grundprinzip zu verstehen.

Ein neuronales Netz ist eine Art Computerprogramm, das dem menschlichen Gehirn nachempfunden ist. Es besteht aus vielen kleinen Recheneinheiten, die miteinander verbunden sind. Beim Training werden diese Verbindungen so angepasst, dass das Netz die gewünschten Ausgaben erzeugt, weil es hier ja nicht das Ziel ist, etwas zu erkennen, sondern etwas Neues zu erschaffen.4)

Transformer sind eine bestimmte Art von neuronalen Netzen. Sie sind besonders gut darin, Zusammenhänge zu erkennen. Ein Beispiel dafür wäre, dass die Wörter „sonnige Wiese„ zusammengehören und bestimmte Bildmerkmale bedeuten. Der Mechanismus dahinter heisst Attention Das Netz lernt, welche Teile der Eingabe gerade wichtig sind.5)

Viele ältere Bildgeneratoren benutzen eine Architektur namens U-Net. Das Netz macht das Bild zunächst kleiner und vereinfachter (Encoder), und baut es danach wieder in voller Grösse auf (Decoder). Diese Struktur eignet sich, um Bilder schrittweise zu verfeinern.6)

Ein VAE besteht aus zwei Teilen:

  1. Encoder: Ein Bild wird stark vereinfacht und in eine kompakte Form gebracht (latenter Raum).
  2. Decoder: Aus dieser kompakten Form wird das Bild wieder aufgebaut.

So muss das Modell nicht mit Millionen von Pixeln rechnen, sondern mit einer viel kleineren, komprimierten Darstellung. Das spart enorm viel Rechenleistung.7)

Diffusionsmodelle sind das Herzstück moderner Bildgeneratoren. Die Grundidee kommt aus der Physik. Wenn man einen Tintentropfen ins Wasser gibt, verteilt er sich langsam gleichmässig, das nennt man Diffusion. KI-Diffusionsmodelle machen das mit Bildern:8)

  1. Vorwärtsprozess: Ein echtes Bild wird schrittweise mit Rauschen überlagert, bis es nur noch zufällige Pixel zeigt.
  2. Rückwärtsprozess: Das Modell lernt, diesen Prozess umzukehren – also aus Rauschen wieder ein sinnvolles Bild zu machen.
  3. Anwendung: Man beginnt mit purem Rauschen und lässt das Modell es Schritt für Schritt „bereinigen“, geleitet durch den Prompt.

Merkhilfe: Man stellt sich vor, man beginnt mit einem völlig verrauschten Bild. Mit jedem Schritt wird es etwas klarer, bis nach 20–50 Schritten ein scharfes Bild entsteht, das zum Prompt passt.

Diffusion direkt auf einem Bild in voller Auflösung wäre viel zu langsam. Um das zu lösen, führt man die Diffusion nicht auf den Pixeln selbst durch, sondern im latenten Raum (also der komprimierten Darstellung des VAE). Das macht das Ganze bis zu 95 % schneller, ohne viel Qualität zu verlieren.9)

Ausserdem wird der Textprompt über einen Mechanismus namens Cross-Attention in den Prozess eingebunden. So weiss das Modell, welches Bild es erzeugen soll. Das ist die Grundlage für Tools wie Stable Diffusion.

Modelltyp Wie es funktioniert Bedeutung heute
GANs Zwei Netze konkurrieren. Eines erzeugt Bilder, das andere versucht, echte von falschen zu unterscheiden War lange führend, heute für Text-to-Image weitgehend durch Diffusion ersetzt
VAE Encoder komprimiert, Decoder baut das Bild wieder auf Wichtiger Baustein in modernen LDMs
DDPM Iteratives Entrauschen Basis aller modernen Diffusionsmodelle
LDM Diffusion im latenten Raum + Textsteuerung Grundlage von Stable Diffusion & Co.
DiT Transformer statt U-Net im Diffusionsmodell Skaliert sehr gut. Basis neuerer Modelle wie FLUX und Sora

Hier ist der typische Ablauf, wenn man zum Beispiel Stable Diffusion benutzt:

  1. Textverstehen: Der Prompt wird in eine Zahlen-Darstellung umgewandelt, die das Modell versteht.
  2. Rauschen erzeugen: Aus einem Seed wird zufälliges Rauschen im latenten Raum erzeugt.
  3. Schrittweises Entrauschen: Das Modell macht das Rauschen Schritt für Schritt weniger, gesteuert durch den Prompt.
  4. Guidance: Ein Parameter namens Guidance Scale bestimmt, wie stark der Prompt das Ergebnis beeinflusst.
  5. Dekodierung: Am Schluss rechnet der VAE-Decoder das Ergebnis in ein richtiges Pixelbild zurück.
Parameter Bedeutung Effekt
Seed Startwert für den Zufallsgenerator Gleicher Seed + gleicher Prompt = gleiches Bild
Guidance Scale Wie stark der Prompt das Bild beeinflusst Zu hoch → Artefakte, zu niedrig → Bild passt nicht zum Prompt
Steps Anzahl der Entrauschungs-Schritte Mehr Schritte = mehr Details, aber dauert länger
Negativer Prompt Was das Bild nicht zeigen soll Hilft, unerwünschte Elemente zu vermeiden

Mit ControlNet kann man einem Diffusionsmodell zusätzliche Hinweise geben, zum Beispiel ein Kantenbild, eine Körperhaltung oder eine Tiefenkarte. Das Modell übernimmt dann die Struktur dieser Vorlage, aber erzeugt den Stil aus dem Prompt. So bekommt man viel mehr Kontrolle über Komposition und Aufbau des Bildes.10)

Video bedeutet „Bild + Zeit“. Das macht die Aufgabe schwieriger, denn es reicht nicht, dass jedes einzelne Bild (Frame) gut aussieht.

Die einzelnen Bilder müssen zeitlich zusammenpassen. Figuren sollen nicht von Frame zu Frame ihr Gesicht verändern, und Bewegungen sollen flüssig wirken. Das nennt man zeitliche Konsistenz.11)

Ansatz Beschreibung
Video Diffusion Direkte Erweiterung der Bilddiffusion auf mehrere Frames gleichzeitig
Kaskaden-Ansatz Zuerst ein grobes Video, dann wird es mit weiteren Modellen verfeinert und schärfer gemacht (z.B. Imagen Video)
Make-A-Video Das Modell lernt, wie Dinge aussehen, aus Bild-Text-Paaren und wie sie sich bewegen, aus Videomaterial ohne Beschriftungen
Latent Video Diffusion Video-Diffusion im latenten Raum, mehrstufiges Training (z.B. Stable Video Diffusion)
Spacetime Patches Videos werden in kleine Bausteine (Patches) über Raum und Zeit zerlegt und mit einem Transformer verarbeitet – so funktioniert die KI Sora12)

Bei Video-Prompts reicht eine Inhaltsbeschreibung oft nicht. Man sollte auch beschreiben, was sich bewegt und wie die Kamera sich verhält.

  • Kamerabewegung angeben: „langsam nach links schwenkend“ oder „statische Kamera“
  • Bewegungsart beschreiben: „langsam laufende Person“ statt nur „Person“
  • Weniger Elemente im Bild = bessere zeitliche Konsistenz
Tool / Modell Typ Besonderheit
Stable Diffusion Bildgenerator (open source) Kostenlos, lokal installierbar, sehr grosse Community
Midjourney Bildgenerator (kommerziell) Sehr hohe Bildqualität, Bedienung über Discord
DALL-E 3 Bildgenerator (OpenAI) Gut bei Text im Bild und genauen Anweisungen
Adobe Firefly Bildgenerator Trainiert auf lizenzierten Bildern, in Creative Cloud integriert
Runway Gen-3 Videogenerator Schnell, hohe Qualität, kommerziell
Pika Videogenerator Einfache Bedienung, gut für Bild-zu-Video
Sora Videogenerator (OpenAI) Kann lange, qualitativ hochwertige Videos erzeugen

KI-Bild- und Videogeneratoren werden heute in sehr vielen Bereichen eingesetzt:

  • Kreativbranche: Konzeptzeichnungen, Illustration, Werbung, Filmstoryboards
  • Bildung: Anschauungsmaterial und Visualisierungen
  • Forschung: Synthetische Trainingsdaten für andere KI-Modelle
  • Industrie: Produktdesign, Architektur-Visualisierungen
  • Unterhaltung: Spieleentwicklung, soziale Medien

Generative Modelle können täuschend echte Bilder und Videos von realen Personen erzeugen, sogenannte Deepfakes. Der Begriff setzt sich aus „Deep Learning“ und „Fake„ zusammen. Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (Deutschland)) warnt, dass damit Desinformationskampagnen durchgeführt, Personen absurde Dinge unterstellt oder betrügerische Aktionen ermöglicht werden können.13)

Laut einer Studie der IU Internationalen Hochschule (2025) wissen nur ca. 34,3 % der Menschen in Deutschland, was Deepfakes überhaupt sind, währenddessen fast alle Fake News kennen. Diese Wissenslücke ist gefährlich, denn Menschen können Deepfakes kaum von echten Videos unterscheiden.14)

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) betont, dass Medienkompetenz deshalb immer wichtiger wird.15)

Als technische Gegenmassnahmen gibt es zwei Ansätze:

  • C2PA ist ein Standard, der Herkunftsinformationen direkt in eine Datei einbettet. Man kann so nachverfolgen, wer ein Bild erstellt oder verändert hat.16)
  • SynthID (Google DeepMind) bettet unsichtbare Wasserzeichen in KI-generierte Bilder und Videos ein. Diese sind für Menschen nicht erkennbar, können aber von Programmen zuverlässig gefunden werden.17)

In der EU schreibt der AI Act vor, dass KI-generierte Inhalte als solche gekennzeichnet werden müssen, insbesondere Deepfakes. Soziale Plattformen wie YouTube, Tiktok oder Meta setzen das bereits mit „Made with AI„-Labels um.18)

Wem gehört ein KI-generiertes Bild? Normalerweise können nur wirklich reale Menschen ein Urheberrecht beanspruchen, so können KI-Produkte nicht urheberrechtlich geschützt werden. Rein KI-generierte Werke sind deshalb nicht urheberrechtlich geschützt, sie gehören niemandem und gelten als gemeinfrei.19)

Schwieriger wird es, wenn ein Mensch viel kreative Arbeit in den Prompt gesteckt und das Ergebnis nachbearbeitet hat. Dann könnte ein Urheberrecht entstehen. Die genaue Grenze ist rechtlich noch nicht festgelegt.20)

KI-Modelle lernen aus Internetdaten und das Internet spiegelt die Sichtweise bestimmter Gruppen stärker wider als andere. Das führt zu sogenanntem Bias: bestimmte Personengruppen, Körpertypen oder Kulturen werden stereotyp oder gar nicht dargestellt. Das ist kein technisches Versehen, sondern ein Spiegel der Trainingsdaten.21)

Das Training grosser KI-Modelle braucht enorme Mengen an Rechenleistung und damit Strom. Ansätze wie Latent Diffusion reduzieren diesen Aufwand, aber das grundlegende Problem bleibt bestehen.22)

Kernaussagen auf einen Blick:

  1. Bild- und Videogeneratoren kombinieren einen komprimierten Bildraum (VAE), ein Modell das Zusammenhänge versteht (Transformer oder U-Net) und ein Erzeugungsverfahren (Diffusion).
  2. Der Diffusionsprozess läuft schrittweise ab: aus Rauschen wird langsam ein zum Prompt passendes Bild.
  3. Parameter wie Seed, Guidance Scale und Steps steuern das Ergebnis direkt.
  4. Video-Generatoren haben die zusätzliche Herausforderung, dass alle Frames zeitlich zusammenpassen müssen.
  5. Die gesellschaftlichen Risiken – Deepfakes, Urheberrecht, Bias, Energieverbrauch – sind mindestens so wichtig wie die Technik.

1) , 4) , 6) , 8)
3)
Digitalzentrum Franken: KI-Bildgenerierung mit Stable Diffusion. https://digitalzentrum-franken.de/aktuelles/detail/ki-bildgenerierung-mit-stable-diffusion
5)
dogado KI-Lexikon: Diffusionsmodelle. https://www.dogado.de/ki-lexikon/diffusionsmodelle
9) , 22)
GuideGlare: Wie Diffusionsmodelle in der KI-Bilderzeugung funktionieren. https://www.guideglare.com/de/plattform/bild-suite/technologie/diffusionsmodelle-ki-bildgeneratoren
10)
theblue.ai: Diffusionsmodelle – Eindrucksvolle Bilder mit Generative KI erstellen. https://theblue.ai/blog-de/trends/diffusionsmodelle-generative-ki/
11) , 12)
DOCMA: Das Ende der Diffusion? Wie die neuen KI-Bildgeneratoren funktionieren. https://www.docma.info/blog/das-ende-der-diffusion-wie-die-neuen-ki-bildgeneratoren-funktionieren
14)
IU Internationale Hochschule: Studie „Fakt oder Fake? Medienkompetenz in Deutschland“. https://www.iu.de/news/grok-debatte-iu-studie-zeigt-deepfake-risiken-auf/
18)
HubSpot: Generative KI und Urheberrecht. https://blog.hubspot.de/marketing/urheberrecht-ki
19)
Bundesministerium der Justiz: Künstliche Intelligenz und Urheberrecht (FAQ). https://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Themen/Nav_Themen/240305_FAQ_KI_Urheberrecht.pdf
  • ef/ki/bild.1775245091.txt.gz
  • Zuletzt geändert: 2026/04/03 21:38
  • von bauert