ef:ki:bild

Dies ist eine alte Version des Dokuments!


Bild- und Videogeneratoren mit KI

Stell dir vor, du schreibst „ein futuristisches Zürich bei Nacht“, und eine KI erzeugt daraus in wenigen Sekunden ein realistisches Bild oder sogar ein Video. Genau das machen moderne Bild und Videogeneratoren. Diese Seite erklärt, wie solche Systeme funktionieren, von den Grundbegriffen über die technischen Hintergründe bis zu den wichtigsten gesellschaftlichen Fragen.

Auf einen Blick: Bild- und Videogeneratoren sind KI-Programme, die aus einer Texteingabe neue Bilder oder Videos erzeugen. Das bekannteste Verfahren dahinter heisst Diffusionsmodell.

Normale KI-Programme erkennen Dinge wie zum Beispiel, ob auf einem Foto eine Katze zu sehen ist. Generative KI macht etwas anders. Sie erzeugt neue Inhalte, wie beispielsweise ein Bild, das es vorher noch nicht gab. Das Programm lernt dazu aus sehr vielen Beispielen. Welche Bilder, Texte oder Videos „typisch“ aussehen und kann dann selbst neue erzeugen, die ähnlich wirken.1)

Bild- und Videogeneratoren sind eine Art generative KI. Man gibt ihnen eine Textbeschreibung (den Prompt) und sie erzeugen daraus ein passendes Bild oder Video.2)

Begriff Erklärung
Prompt Die Texteingabe, mit der man beschreibt, was man sehen möchte
Seed Eine Zahl, die den Zufallsstart festlegt. Mit demselben Seed und Prompt bekommt man immer dasselbe Bild
Latenter Raum Eine stark vereinfachte, interne Darstellung des Bildes, mit der das Modell rechnet
Training Das Lernen des Modells aus sehr vielen Beispielbildern. Das passiert einmal, bevor man das Tool nutzt
Inference Die eigentliche Nutzung. Man gibt einen Prompt ein und das fertig trainierte Modell erzeugt das Bild

Ein guter Prompt beschreibt möglichst genau:

  • Was im Bild zu sehen sein soll (Objekte, Personen, Ort)
  • Wie es aussehen soll (Stil, Licht, Stimmung, Kameraeinstellung)
  • Bei Videos: wie sich Dinge bewegen und wie die Kamera sich verhält

Schwacher Prompt: Ein Hund

Besserer Prompt: Ein Golden Retriever sitzt auf einer sonnigen Wiese, warmes Nachmittagslicht, fotorealistisch, geringe Schärfentiefe

Damit ein Modell Bilder erzeugen kann, braucht es sehr viele Beispiele. Beim Training sieht es Millionen von Bildern zusammen mit passenden Textbeschreibungen. So lernt das Modell, was Begriffe wie „Hund“ oder „Sonnenuntergang“ visuell bedeuten.3)

Dieser Abschnitt erklärt die wichtigsten Ideen im Hintergrund. Es geht um ein grundlegendes Verständnis, nicht um Details.

Ein neuronales Netz ist ein Computerprogramm, das grob vom menschlichen Gehirn inspiriert ist. Es besteht aus vielen kleinen Recheneinheiten, die miteinander verbunden sind. Beim Training werden diese Verbindungen so angepasst, dass das Netz sinnvolle Ergebnisse erzeugt, in diesem Fall neue Bilder.4)

Transformer sind eine spezielle Art von neuronalen Netzen. Sie sind besonders gut darin, Zusammenhänge zu erkennen. Zum Beispiel versteht das Modell, dass „sonnige Wiese“ bestimmte Farben, Lichtverhältnisse und Objekte bedeutet. Der Mechanismus dahinter heisst Attention. Das Modell lernt dabei, welche Teile der Eingabe besonders wichtig sind.5)

Viele ältere Bildgeneratoren benutzen eine Struktur namens U-Net. Das Netz macht das Bild zunächst kleiner und vereinfachter (Encoder), und baut es danach wieder in voller Grösse auf (Decoder). Diese Struktur eignet sich, um Bilder schrittweise zu verbessern und Details hinzuzufügen.6)

Ein VAE besteht aus zwei Teilen:

  1. Encoder: Ein Bild wird stark vereinfacht und in eine kompakte Form gebracht (latenter Raum).
  2. Decoder: Aus dieser kompakten Form wird das Bild wieder aufgebaut.

So muss das Modell nicht mit Millionen von Pixeln rechnen, sondern mit einer viel kleineren, komprimierten Darstellung. Das spart enorm viel Rechenleistung.7)

Diffusionsmodelle sind das Herzstück moderner Bildgeneratoren. Die Grundidee kommt aus der Physik. Wenn man einen Tintentropfen ins Wasser gibt, verteilt er sich langsam gleichmässig, das nennt man Diffusion. KI-Diffusionsmodelle machen das mit Bildern:8)

  1. Vorwärtsprozess: Ein echtes Bild wird schrittweise mit Rauschen überlagert, bis es nur noch zufällige Pixel zeigt.
  2. Rückwärtsprozess: Das Modell lernt, diesen Prozess umzukehren – also aus Rauschen wieder ein sinnvolles Bild zu machen.
  3. Anwendung: Man beginnt mit purem Rauschen und lässt das Modell es Schritt für Schritt „bereinigen“, geleitet durch den Prompt.

Merkhilfe: Man stellt sich vor, man beginnt mit einem völlig verrauschten Bild. Mit jedem Schritt wird es etwas klarer, bis nach 20–50 Schritten ein scharfes Bild entsteht, das zum Prompt passt.

Diffusion direkt auf einem Bild in voller Auflösung wäre viel zu langsam. Um das zu lösen, führt man die Diffusion nicht auf den Pixeln selbst durch, sondern im latenten Raum (also der komprimierten Darstellung des VAE). Das macht das Ganze bis zu 95 % schneller, ohne viel Qualität zu verlieren.9)

Ausserdem wird der Textprompt über einen Mechanismus namens Cross-Attention in den Prozess eingebunden. So weiss das Modell, welches Bild es erzeugen soll. Das ist die Grundlage für Tools wie Stable Diffusion.

Modelltyp Wie es funktioniert Bedeutung heute
GANs Zwei Netze konkurrieren. Eines erzeugt Bilder, das andere versucht, echte von falschen zu unterscheiden War lange führend, heute für Text-to-Image weitgehend durch Diffusion ersetzt
VAE Encoder komprimiert, Decoder baut das Bild wieder auf Wichtiger Baustein in modernen LDMs
DDPM Iteratives Entrauschen Basis aller modernen Diffusionsmodelle
LDM Diffusion im latenten Raum + Textsteuerung Grundlage von Stable Diffusion & Co.
DiT Transformer statt U-Net im Diffusionsmodell Skaliert sehr gut. Basis neuerer Modelle wie FLUX und Sora

Hier ist der typische Ablauf, wenn man zum Beispiel Stable Diffusion benutzt:

  1. Textverstehen: Der Prompt wird in Zahlen umgewandelt
  2. Rauschen erzeugen: Zufälliges Rauschen wird erzeugt
  3. Schrittweises Entrauschen: Das Modell entfernt Schritt für Schritt das Rauschen
  4. Guidance: Der Prompt steuert den Prozess
  5. Dekodierung: Am Ende entsteht das Bild
Parameter Bedeutung Effekt
Seed Startwert für den Zufallsgenerator Gleicher Seed + gleicher Prompt = gleiches Bild
Guidance Scale Wie stark der Prompt das Bild beeinflusst Zu hoch → Artefakte, zu niedrig → Bild passt nicht zum Prompt
Steps Anzahl der Entrauschungs-Schritte Mehr Schritte = mehr Details, aber dauert länger
Negativer Prompt Was das Bild nicht zeigen soll Hilft, unerwünschte Elemente zu vermeiden

Mit ControlNet kann man einem Diffusionsmodell zusätzliche Hinweise geben, zum Beispiel ein Kantenbild, eine Körperhaltung oder eine Tiefenkarte. Das Modell übernimmt dann die Struktur dieser Vorlage, aber erzeugt den Stil aus dem Prompt. So bekommt man viel mehr Kontrolle über Komposition und Aufbau des Bildes.10)

Video bedeutet „Bild + Zeit“. Das macht die Aufgabe schwieriger, denn es reicht nicht, dass jedes einzelne Bild (Frame) gut aussieht.

Die einzelnen Bilder müssen zeitlich zusammenpassen. Figuren sollen nicht von Frame zu Frame ihr Gesicht verändern, und Bewegungen sollen flüssig wirken. Das nennt man zeitliche Konsistenz und gehört zu den grössten Herausforderungen, um solch ein Video zu generieren.11)

Ansatz Beschreibung
Video Diffusion Direkte Erweiterung der Bilddiffusion auf mehrere Frames gleichzeitig
Kaskaden-Ansatz Zuerst ein grobes Video, dann wird es mit weiteren Modellen verfeinert und schärfer gemacht (z.B. Imagen Video)
Make-A-Video Das Modell lernt, wie Dinge aussehen, aus Bild-Text-Paaren und wie sie sich bewegen, aus Videomaterial ohne Beschriftungen
Latent Video Diffusion Video-Diffusion im latenten Raum, mehrstufiges Training (z.B. Stable Video Diffusion)
Spacetime Patches Videos werden in kleine Bausteine (Patches) über Raum und Zeit zerlegt und mit einem Transformer verarbeitet – so funktioniert die KI Sora12)

Bei Video-Prompts reicht eine Inhaltsbeschreibung oft nicht. Man sollte auch beschreiben, was sich bewegt und wie die Kamera sich verhält.

  • Kamerabewegung angeben: „langsam nach links schwenkend“ oder „statische Kamera“
  • Bewegungsart beschreiben: „langsam laufende Person“ statt nur „Person“
  • Weniger Elemente im Bild = bessere zeitliche Konsistenz
Tool / Modell Typ Besonderheit
Stable Diffusion Bildgenerator (open source) Kostenlos, lokal installierbar, sehr grosse Community
Midjourney Bildgenerator (kommerziell) Sehr hohe Bildqualität, Bedienung über Discord
DALL-E 3 Bildgenerator (OpenAI) Gut bei Text im Bild und genauen Anweisungen
Adobe Firefly Bildgenerator Trainiert auf lizenzierten Bildern, in Creative Cloud integriert
Runway Gen-3 Videogenerator Schnell, hohe Qualität, kommerziell
Pika Videogenerator Einfache Bedienung, gut für Bild-zu-Video
Sora Videogenerator (OpenAI) Kann lange, qualitativ hochwertige Videos erzeugen

KI Bild und Videogeneratoren werden in vielen Bereichen eingesetzt. Um einen besseren Überblick zu behalten, kann man die Anwendungen in verschiedene Kategorien einteilen:

  • Kunst und Design: Unterstützung bei Ideen, Entwürfen und Visualisierungen
  • Film und Medien: Erstellung von Storyboards, visuellen Effekten und Konzeptbildern
  • Spieleentwicklung: Generierung von Figuren, Landschaften und Texturen
  • Architektur und Produktdesign: Realistische Visualisierung von Gebäuden und Objekten
  • Marketing: Erstellung von Bildern und Videos für Werbung und soziale Medien
  • Bildung: Veranschaulichung von komplexen Inhalten, z. B. historische Szenen oder wissenschaftliche Prozesse
  • Forschung: Generierung von synthetischen Daten für das Training anderer KI Modelle
  • Medizin: Simulationen und Visualisierungen, vor allem in Ausbildung und Forschung
  • Private Nutzung: Erstellung von Bildern, Videos oder kreativen Projekten
  • Social Media: Inhalte für Posts, Profile oder persönliche Projekte

Mit generativer KI lassen sich sehr realistische Bilder und Videos von Personen erzeugen, sogenannte Deepfakes. Diese können gezielt eingesetzt werden, um falsche Informationen zu verbreiten oder Menschen Dinge in den Mund zu legen, die sie nie gesagt haben. Das Problem ist, dass solche Inhalte für viele Menschen kaum von echten Aufnahmen zu unterscheiden sind. Dadurch wird es schwieriger, zwischen Wahrheit und Manipulation zu unterscheiden.13)

Wenn immer mehr Inhalte künstlich erzeugt werden, kann das langfristig das Vertrauen in Medien schwächen. Fotos und Videos galten früher oft als Beweis. Heute ist das nicht mehr selbstverständlich. Das betrifft zum Beispiel Journalismus, soziale Medien und auch politische Kommunikation.

Ein zentrales Problem ist die Frage, wem ein KI erzeugtes Bild gehört. In vielen Fällen gilt: Wenn kein Mensch kreativ beteiligt ist, gibt es kein klassisches Urheberrecht. Schwierig wird es, wenn ein Mensch aktiv am Ergebnis mitarbeitet, zum Beispiel durch gezielte Prompts oder Nachbearbeitung. Hier ist die Rechtslage noch nicht eindeutig geklärt.

KI Modelle lernen aus grossen Datenmengen aus dem Internet. Diese Daten enthalten oft unbewusste Verzerrungen. Das kann dazu führen, dass bestimmte Gruppen stereotyp dargestellt werden oder weniger sichtbar sind. Solche Verzerrungen nennt man Bias und sie spiegeln gesellschaftliche Ungleichheiten wider.

Neben Deepfakes gibt es weitere Risiken:

  • Erstellung von Fake Bildern für Betrug
  • Manipulation von Beweismaterial
  • Automatisierte Propaganda

Dadurch entsteht ein neues Feld von digitalen Sicherheitsproblemen.

Das Training grosser Modelle benötigt viel Rechenleistung und Energie. Das führt zu einem hohen Stromverbrauch und damit zu Umweltbelastung. Neue Methoden versuchen, diese Kosten zu reduzieren, aber das Problem bleibt bestehen.

„AI, Machine Learning, Deep Learning and Generative AI Explained“14)

„Generative AI in a Nutshell - how to survive and thrive in the age of AI“15)

„Evolution of AI“16)

Kernaussagen auf einen Blick:

  1. Bild- und Videogeneratoren kombinieren einen komprimierten Bildraum (VAE), ein Modell das Zusammenhänge versteht (Transformer oder U-Net) und ein Erzeugungsverfahren (Diffusion).
  2. Der Diffusionsprozess läuft schrittweise ab: aus Rauschen wird langsam ein zum Prompt passendes Bild.
  3. Parameter wie Seed, Guidance Scale und Steps steuern das Ergebnis direkt.
  4. Video-Generatoren haben die zusätzliche Herausforderung, dass alle Frames zeitlich zusammenpassen müssen.
  5. Die gesellschaftlichen Risiken – Deepfakes, Urheberrecht, Bias, Energieverbrauch – sind mindestens so wichtig wie die Technik.

1) , 4) , 6) , 8)
3)
Digitalzentrum Franken: KI Bildgenerierung mit Stable Diffusion. https://digitalzentrum-franken.de/aktuelles/detail/ki-bildgenerierung-mit-stable-diffusion
5)
dogado KI Lexikon: Diffusionsmodelle. https://www.dogado.de/ki-lexikon/diffusionsmodelle
9)
GuideGlare: Wie Diffusionsmodelle in der KI-Bilderzeugung funktionieren. https://www.guideglare.com/de/plattform/bild-suite/technologie/diffusionsmodelle-ki-bildgeneratoren
10)
theblue.ai: Diffusionsmodelle – Eindrucksvolle Bilder mit Generative KI erstellen. https://theblue.ai/blog-de/trends/diffusionsmodelle-generative-ki/
11) , 12)
DOCMA: Das Ende der Diffusion? Wie die neuen KI-Bildgeneratoren funktionieren. https://www.docma.info/blog/das-ende-der-diffusion-wie-die-neuen-ki-bildgeneratoren-funktionieren
13)
BSI: Deepfakes Gefahren und Gegenmassnahmen. https://www.bsi.bund.de
  • ef/ki/bild.1776839793.txt.gz
  • Zuletzt geändert: 2026/04/22 08:36
  • von baechlerl